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Leseprobe "Das Haus von Dr. Huschke"
Der Krankenhausaufenthalt

Ich erwachte in einem dunklen Raum. Da lag ich. Ganz allein. Ich wusste nicht, ob es Tag oder ob es Nacht war. An der Tür sah ich schemenhaft die Konturen meiner Eltern; meine kleine, dicke Mutti und meinen Vater, etwas schief stehend mit seinem kurzen und seinem langen Bein. Einen Hut hatte er auf, wie immer. Und dann verschwanden sie wieder.
Ich hörte Leute sprechen. Sehr leise, sehr weit weg. Und trotzdem standen sie neben mir. Um mich herum türmten sich Apparate. Ich konnte mich nicht bewegen. Überall war ich an Schläuche und Kabel angeschlossen. Viel später wurde ich in einen Gemeinschaftsschlafsaal verlegt. Da wurde mir klar, dass ich nach der OP unter besonderer Beobachtung stand. Oder war ich in der "Abflughalle"? Wie dem auch sei: Es ging wieder bergauf. Ich konnte schon meinen rechten Arm bewegen und tastete nach meinem Kopf. Er war in einen großen Turban eingewickelt. Mitsamt meinem Hals; nur Nase, Mund und Augen lagen frei.
Wahrscheinlich war es so gewesen:
Man hatte mich guillotiniert und kurz danach noch eine Möglichkeit entdeckt, mich zu retten. Also hat man mir den Kopf wieder auf dem Hals festgenäht. Später hatte ich diesen Traum:
Ich wurde geköpft und konnte noch schnell nach meinem davonrollenden Kopf greifen. Ich setzte ihn wieder auf den Hals und rannte so, mit beiden Händen den Kopf festhaltend, zu einem Arzt, der mir die Birne wieder festtackerte. Ich war gerettet.
Im Krankenhaus lag ich in einem Zimmer mit fünf weiteren Patienten zusammen. Sie litten alle an verschieden Krankheiten und waren operiert worden. Da gab es Polypen auf Stimmbändern, hier vereiterte Mandeln, dort allgemeine Ohrenleiden und da waren auch noch die Jungs von der "Löffelbrigade". Letzteren wurden die zu weit abstehenden Ohren angelegt. Dazu entfernte man einfach etwas Haut hinter den Ohren und nähte das nunmehr frei hängende Ohr wieder an den Hinterkopf an. Zunächst litten die Patienten unter einem unangenehmen Zuggefühl an der hinteren Kopfhaut. Dafür aber hatten sie einen aerodynamisch betrachtet günstigeren Umströmungskoeffizienten ihres Kopfes. Und das Zuggefühl verschwand im Laufe der Zeit und sie konnten endlich Mützen oder Helme aufsetzen, ohne dass ihre Ohren nach unten geklappt wurden. Was für ein Sieg der modernen Medizin!