Buchempfehlung

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Seit Jahren spricht man in der Literaturszene von DEM Wenderoman. Erst kürzlich wurde Uwe Tellkamp für sein literarisches Schaffen - vor allem für seinen Roman "Der Turm", der häufig als der DER Wenderoman bezeichnet wird - mehrfach geehrt.
Ich habe den "Turm" nicht gelesen, aber just in diesen Tagen sendet der HR2 eine Lesung des Romanes und wenn es meine Zeit erlaubt, so höre ich die Sendungen. Anfänglich fand ich das Gehörte nicht so spannend. Im Laufe der Zeit musste ich meine Meinung durchaus revidieren.
Ich will aber nicht auf diesen Wenderoman eingehen. Ich bin der Ansicht, dass durchaus "mehrere" Wenderomane existieren; mindestens zwei weitere fallen mir ein:
Thomas Brussig: "Helden wie wir"
Michael Klonovsky: "Land der Wunder"
Beide habe ich gelesen und ich möchte heute letztgenanntes Buch - obwohl der Brussig ebenfalls ein großes Lob wert ist - empfehlen.

Michael Klonovsky: "Land der Wunder"

Es mag schon sein, dass das Letztgehörte/Letztgelesene am meisten haften bleibt, aber ich möchte betonen, dass des Land der Wunder - und ich habe viele Szenen immer wieder lesen müssen - nach meinen Maßstäben sehr bedeutend ist! Es ist ein Buch, das sich mit menschlichen Stärken und menschlichen Schwächen auseinandersetzt. Michael Klonovsky gelingt es, in dem Buch diese Schwächen "in einer allgemeingültiger Art und Weise" systemübergreifend darzustellen. Es gelingt ihm in einer Weise, wie ich sie seit Kunderas Buch "Die Unwissenheit" nicht mehr zu lesen bekam.
Besonders einprägsam ist die Figur des Redakteurs Kühl beschrieben. Er ist ein Typ, der in der DDR wegen seiner Offenheit gescheitert ist und der eben aus diesen Gründen im wiedervereinten Deutschland nochmals scheitern musste. Er scheiterte, weil er, wie Klonovsky beschrieb, die Conditio humana nicht akzeptierte:

Leseprobe "Land der Wunder"
Finis Germaniae?

"Ich wollte frei sein", flüsterte Kühl, "deshalb habe ich damals gegen Funkenkamp und Fleischer gemeutert. Ich wollte endlich nach besten Wissen und Gewissen über Dinge schreiben, die mich interessieren. Nun gibt es wieder jede Menge Themen, über die man sich nicht äußern darf, wieder gefährde ich gewissermaßen den Weltfrieden und werde mit scheinmoralischen Argumenten erpresst, wieder stehe ich inmitten von angepassten Speichelleckern..."
"Land der Wunder", Rowohlt Taschenbuch Verlag, Mai 2009, p 381

Wenn man das Buch einmal als Lesung vorstellen würde, so wünschte ich mir dazu die Musik von Paul Motian: "Waltz Song". Aus diesem Grunde werde ich auch diese CD als Musikempfehlung vorstellen: Paul Motian Trio: Dance
Und so schaut das Buch aus:

Land der Wunder

Buchempfehlung (Tabelle)

Tabelle der "Buchempfehlungen"
Buchempfehlung bis Link
25.06.2009 Der tallentierte Mr. Ripley
01.12.2008 Der Zauberlehrling
29.12.2007 Die Weihnachtsgans Auguste
02.12.2007 Mascha Kaléko
24.11.2007 Zu "Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins"
29.07.2007 Zu "Jossel Wassermanns Heimkehr"