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Die Gans muss vom Tisch. Weihnachten ist vorüber! Da habe ich wieder Gelegenheit (unter anderem), etwas Reklame für mein 2007 erschienenes Buch zu machen:
"Das Haus von Dr. Huschke"
Dort schrieb ich über meine rezitatorischen Neigungen in der Jugend:


Leseprobe "Das Haus von Dr. Huschke"
Die Zeit nach der Krankheit

Herr Bitter rief einen Rezitations-Zirkel an der Schule ins Leben. Voller Begeisterung trat ich in diesem Zirkel bei. So rezitierten wir in Chemnitz-Sächsisch Heines "Schlesische Weber" und Goethes "Zauberlehrling". Ersteres ich. Letzteres Anja Schultz. Herr Bitter war so begeistert, dass wir zwei an einem Rezitationswettbewerb teilnehmen durften. Die Anja und ich. Ein bisschen war ich schon verliebt in sie. Aber sie würdigte mich keines Blickes. Auch sprach sie so eine Art Intellektuellen-Sächsisch, dass sich von meiner Proleten-Version deutlich abhob. Sie stammte ja auch aus einer Intellektuellen-Familie, die Anja. Alles Mädchen, und eines schöner als das andere. Es stimmt schon, was das Sprichwort sagt:
In Sachsen wachsen die schönen Mädchen auf den Bäumen.
So viele gibt es da. Wenn man von der einen oder anderen Ausnahme absieht. Jedenfalls belegte sie den ersten Platz des Wettbewerbes und ich den zweiten. Ich hatte alles gegeben, aber es hatte wieder mal nicht gereicht. Mit geballten Fäusten an den Oberschenkeln und Tränen in den Augen schleuderte ich dem verblüfften Publikum, das mich mit offenen Mündern erstaunt ansah, das Elend der Schlesischen Weber entgegen:
"... wir wäben, wir wäben."
Anja hingegen zelebrierte mit exzellenter Mimik und Gestik Goethes "Zauberlehrling".
Hat der alte Hexenmeister
sich doch einmal wegbegeben!
Und nun sollen seine Geister
auch nach meinem Willen leben.
Seine Wort und Werke
merkt ich und den Brauch,
und mit Geistesstärke
tu ich Wunder auch.
Und Anja tat Wunder. Was ihr an rezitativem Talent fehlte, (viel war es nicht), holte sie durch ihre brillante Figur wieder heraus. Sie war schon sechzehn und man konnte unmöglich die sich an ihr abzeichnenden Merkmale wachsender Fraulichkeit übersehen. Alle starten wie gebannt auf Anja, als sie die Tribüne betrat. Die Juroren putzten ihre Brillengläser und die Würfel waren gefallen.

Aus diesem Grunde möchte ich heute den Zauberlehrling empfehlen. Dieses wunderschöne Gedicht von Goethe hat wohl jeder einmal auswendig lernen müssen. Und die meisten empfanden das sicherlich als Qual.
Mir hat es gefallen:

Der Zauberlehrling


Hat der alte Hexenmeister
sich doch einmal wegbegeben!
Und nun sollen seine Geister
auch nach meinem Willen leben.
Seine Wort und Werke
merkt ich und den Brauch,
und mit Geistesstärke
tu ich Wunder auch.

Walle! walle
Manche Strecke,
daß, zum Zwecke,
Wasser fließe
und mit reichem, vollem Schwalle
zu dem Bade sich ergieße.

Und nun komm, du alter Besen!
Nimm die schlechten Lumpenhüllen;
bist schon lange Knecht gewesen:
nun erfülle meinen Willen!
Auf zwei Beinen stehe,
oben sei ein Kopf,
eile nun und gehe
mit dem Wassertopf!

Walle! walle
manche Strecke,
daß, zum Zwecke,
Wasser fließe
und mit reichem, vollem Schwalle
zu dem Bade sich ergieße.

Seht, er läuft zum Ufer nieder,
Wahrlich! ist schon an dem Flusse,
und mit Blitzesschnelle wieder
ist er hier mit raschem Gusse.
Schon zum zweiten Male!
Wie das Becken schwillt!
Wie sich jede Schale
voll mit Wasser füllt!

Stehe! stehe!
denn wir haben
deiner Gaben
vollgemessen! -
Ach, ich merk es! Wehe! wehe!
Hab ich doch das Wort vergessen!

Ach, das Wort, worauf am Ende
er das wird, was er gewesen.
Ach, er läuft und bringt behende!
Wärst du doch der alte Besen!
Immer neue Güsse
bringt er schnell herein,
Ach! und hundert Flüsse
stürzen auf mich ein.

Nein, nicht länger
kann ichs lassen;
will ihn fassen.
Das ist Tücke!
Ach! nun wird mir immer bänger!
Welche Mine! welche Blicke!

O du Ausgeburt der Hölle!
Soll das ganze Haus ersaufen?
Seh ich über jede Schwelle
doch schon Wasserströme laufen.
Ein verruchter Besen,
der nicht hören will!
Stock, der du gewesen,
steh doch wieder still!

Willst am Ende
gar nicht lassen?
Will dich fassen,
will dich halten
und das alte Holz behende
mit dem scharfen Beile spalten.

Seht da kommt er schleppend wieder!
Wie ich mich nur auf dich werfe,
gleich, o Kobold, liegst du nieder;
krachend trifft die glatte Schärfe.
Wahrlich, brav getroffen!
Seht, er ist entzwei!
Und nun kann ich hoffen,
und ich atme frei!

Wehe! wehe!
Beide Teile
stehn in Eile
schon als Knechte
völlig fertig in die Höhe!
Helft mir, ach! ihr hohen Mächte!

Und sie laufen! Naß und nässer
wirds im Saal und auf den Stufen.
Welch entsetzliches Gewässer!
Herr und Meister! hör mich rufen! -
Ach, da kommt der Meister!
Herr, die Not ist groß!
Die ich rief, die Geister
werd ich nun nicht los.

"In die Ecke,
Besen, Besen!
Seids gewesen.
Denn als Geister
ruft euch nur zu diesem Zwecke,
erst hervor der alte Meister."

Johann Wolfgang von Goethe

Buchempfehlung (Tabelle)

Tabelle der "Buchempfehlungen"
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29.12.2007 Die Weihnachtsgans Auguste
02.12.2007 Mascha Kaléko
24.11.2007 Zu "Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins"
29.07.2007 Zu "Jossel Wassermanns Heimkehr"
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