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Heute will ich ein Buch empfehlen, das schon dem Titel nach sehr spektakulär klingt.

"Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins"
Was ist "Sein", was schon "unerträglich leicht"? Sind das die Fragen, die in diesem Buch gestellt werden? Und: Findet man auf diese Fragen eine Antwort?
Ehrlich gesagt: Ich weiß es nicht.
Und trotzdem gehört dieses Buch zu den beeindruckendsten Büchern, von denen ich, lange bevor ich es las, hörte; noch zu Zeiten hinter der Mauer. Es wurde gelobt und in der Message der Lobpreiser klang immer etwas Mystisches mit. Und irgendwie kann ich mich dem anschließen. Der Klappentext beschreibt zu wenig:
Prag zur Zeit des Kalten Kriegs. In einem Restaurant begegnen sich der erfolgreiche Chirurg Tomas und die Serviererin Teresa. Zwischen den beiden entwickelt sich eine innige, wilde Liebe, die aber immer wieder unter Tomas’ unzähligen Affären mit anderen Frauen leidet. Teresa, der eine Unterscheidung von Sexualität und Liebe fremd ist, trifft seine Untreue tief ins Herz. Dennoch heiraten sie und ziehen nach der gewaltsamen Niederschlagung des Prager Frühlings in die Schweiz. Doch dort lebt bereits die Malerin Sabrina, ebenfalls eine tschechische Emigrantin und eine der Geliebten von Tomas. Schließlich hält es Teresa nicht mehr aus...

Es werden viele kleine Geschichten erzählt, die eingehüllt sind in einem großen historischen Rahmen, der über vierzig Jahre die gesamte osteuropäische Welt nieder drückte, jedes freie Denken verhinderte und der schlussendlich, wie bei einem Naturgesetz vorhersagbar, jämmerlich scheitern musste. Eine dieser Geschichten ist der klägliche Versuch linker Westeuropäer, dem, von Amerikanern, Vietnamesen und letztlich den Roten Khmer selbst, geschundenen kambodschanischen Volk medizinische Hilfe zu kommen lassen zu wollen. Sie endet mit dem Tod des Haupthelden dieser kleinen Story:
Leseprobe "Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins"
Er wachte erst wieder in einem Genfer Krankenhaus auf. Über sein Bett neigte sich Marie-Claude. Er wollte ihr sagen, dass er sie nicht hier haben wollte. Er wollte, dass man augenblicklich die Studentin mit der großen Brille benachrichtige. Er dachte an sie und an niemand anderen. Er wollte schreien, dass er niemand anderen neben sich ertrage. Aber er stellte entsetzt fest, dass er nicht sprechen konnte. Er blickte Marie-Claude mit grenzenlosem Hass an und wollte sich wegdrehen zur Wand. Aber er konnte seinen Körper nicht bewegen. Er versuchte, den Kopf wegzudrehen. Doch auch mit dem Kopf konnte er keine Bewegung machen. Er schloss die Augen, um Marie-Claude nicht zu sehen.

Der tote Franz gehörte nun endlich seiner rechtmäßigen Ehefrau, wie er ihr nie vorher gehört hat. Marie-Claude bestimmt alles, sie übernimmt die Organisation des Begräbnisses, sie verschickt die Todesanzeigen, sie kauft Kränze, sie lässt sich ein schwarzes Kleid schneidern, das in Wirklichkeit ein Hochzeitskleid ist. Ja, erst das Begräbnis des Gatten ist für sie die Gattin die wahre Hochzeit! Die Krönung ihres Lebens, der Lohn für all ihr Leiden!
-Milan Kundera; "Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins"-
- SZ-Bibliothek; p252 -


Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins
Was noch interessant ist:
Kunderas Buch "Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins" wurde erst im Frühjahr 2007 in der Tschechien verlegt - zum 78. Geburtstag von Kundera.

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29.07.2007 Zu "Jossel Wassermanns Heimkehr"
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