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Zum Totensonntag möchte ich Mascha Kaléko vorstellen. Aber alles, was ich zu ihr sagen könnte, ist bereits auf einer wunderschönen Homepage publiziert:


An einem Totensonntag kann man nur ein Gedicht von Mascha Kaléko rezitieren. Ich las es erstmals 1978:
"MEMENTO"
Dieses Gedicht hat mich berüht, weil 1978 mein Vater eben mal ein Jahr tot war. Mittlerweile ist das alles "Geschichte". Die Gräber meiner Eltern existieren nicht mehr. Das ist halt der Lauf der Zeit; und es war schon immer so. Alles was ist, vergeht, wird zu Staub - seit es Leben gibt.
In meinem Buch
"DER MARTINSBERG"
schrieb ich:
............
Wir denken an den Martinsberg. Den alten Herrn Ludwig, die Wichbarts, Schicklpiecks und Lindemanns. Und an all die vielen anderen Leute.
Wo sind all diese Leute? In meinem Bücherschrank lagert noch der Stalinband, den ich von Joseph Schicklpieck lieh. Er erhielt ihn nie zurück. Und wahrscheinlich hat er ihn auch nie vermisst.

All the lonely people
Where do they all come from?
All the lonely people
Where do they all belong?

("Eleanor Rigby"; Lennon/McCartney)
............


Doch nun das Gedicht:

Memento

Vor meinem eigenen Tod ist mir nicht bang,
nur vor dem Tode derer, die mir nah sind.
Wie soll ich leben, wenn sie nicht mehr da sind?

Allein im Nebel tast ich todentlang
und lass mich willig in das Dunkel treiben.
Das Gehen schmerzt nicht halb so wie das Bleiben.

Der weiß es wohl, dem Gleiches widerfuhr -
und die es trugen, mögen mir vergeben.
Bedenkt: Den eignen Tod, den stirbt man nur;
doch mit dem Tod der anderen muss man leben.

- Mascha Kaléko -



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